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Conny und Lotte haben Bridge & Tunnel ins Leben gerufen. Im Interview erzählen sie dir was ihr Schlüsselmoment war um dieses großartige Projekt ins Leben zu rufen, was außer viel Liebe noch in ihren Produkten steckt und warum man mit Komplimenten vorsichtig sein sollte.

Erzählt uns in zwei Sätzen wer Ihr seid und was Ihr macht?

Bridge&Tunnel ist ein Fair Fashion Label aus Hamburg. Wir fertigen mit Frauen und Männern, die lange Zeit keinen Job finden konnten, aber tolle handwerkliche Fertigkeiten haben, sowie mit Menschen mit Fluchtgeschichte, die erst vor kurzer Zeit nach Deutschland gekommen sind. Für unser Design verwenden wir post- & pre-consumer waste, aktuell aus Denim. Deshalb ist jedes Produkt ein Unikat. So verhelfen wir wertvollen Materialressourcen zu einem neuen Leben in style und hoffnungsvollen Talenten aus aller Welt zu einem erfüllenden Job mit Anerkennung.

Was macht eure Marke und euer Produkt so einzigartig?

Bridge&Tunnel ist mehr als seine Denim Produkte. Mit jedem gekauften Produkt tragen Kunden dazu bei, unsere Gesellschaft durch Design ein kleines bisschen besser zu machen. Kollektion #1: Denim Love umfasst hochwertige Fashion Pieces, Accessoires sowie Interior Design Produkte.

Welcher Moment hat euch dazu gebraucht, diese Marke zu gründen? Welche Leidenschaft hat euch damals gepackt?

Seit 2013 leiten wir in Wilhelmsburg das Stoffdeck- einen Co-Working Space für Mode- und Textildesigner. Als wir 2014 mitbekamen, dass sich ein deutsch-türkischer Nähclub mit Haushaltsnähmaschinen regelmäßig in einer Wilhelmsburger Moschee zum Nähen trifft, haben wir sie kurzerhand eingeladen, ihren Nähtreff einfach bei uns im Stoffdeck zu machen. Und standen dann fassungslos daneben: Denn wir konnten live mit ansehen, wie handwerklich geschickt viele der Frauen waren, obwohl fast alle noch nie ein festes Anstellungsverhältnis in Deutschland hatten. Da war uns schlagartig klar: wir müssen diese beiden Welten vernähen. Und seitdem verhelfen wir mit unserem Label Bridge&Tunnel nicht nur abgelegten Jeans zu einem neuen Leben in style, sondern hoffnungsvollen Talenten aus aller Welt zu einem erfüllenden Job mit Anerkennung.

Welche Menschen stecken hinter eurer Marke? Wer hat die Marke gegründet? Welche Menschen arbeitet jeden Tag mit viel Leidenschaft an euer Vision? Was macht euer Team aus?

Hinter Bridge&Tunnel stecken wir, Hanna Charlotte Erhorn und Constanze Klotz. Als Gründerinnen eines noch jungen Labels müssen wir gleichermaßen Generalisten wie Spezialisten sein. Inzwischen hat sich aber eine gewisse Aufteilung etabliert. Als diplomierte Textildesignerin ist Lotte die Expertin für das Design und die Produktion. Conny ist als promovierte Kulturwissenschaftlerin mit Kommunikation, Social Media, Fundraising und Kooperationen befasst. Wir nennen das Innen- und Außenministerin. Am meisten verbindet uns aber unsere raketenmäßige Begeisterung dafür, tolle Leute mit anderen tollen Leuten zusammenzubringen.
Aktuell beschäftigen wir in unserem Team 4 Näher und Näherinnen, die in der Türkei, Afghanistan und Indien geboren wurden. Unsere 2 professionellen Anleiterinnen haben ihre Wurzeln in der Türkei und Polen. Zudem bieten wir berufsorientierende Praktika für gesellschaftlich benachteiligte Frauen, die über Geschick an der Nähmaschine verfügen, sowie für Männer und Frauen mit jüngerer Fluchtgeschichte an und durften dadurch schon Menschen aus Syrien, Pakistan, dem Irak und der Türkei kennenlernen.

Was liebst du, die Person die gerade diese Fragen beantwortet, am meisten an deinem Job bei der Marke?

Dass kein Tag wie der andere ist.

Was macht euch stolz?

Und dass wir es schon so oft geschafft haben, die absurdesten Probleme irgendwie zu lösen. Und dass wir vor kurzem dem German Design Award gewonnen haben!

Was inspiriert euch?

Die Tatsache, dass Soziales und Unternehmertum wirklich zusammengehen. Und dass uns wahnsinnig viele Menschen dabei unterstützen!

Was steckt drin in eurem Produkt? Wer stellt euer Produkt her? Nutzt Ihr lokale oder regionale Ressourcen?

Unsere Produkte entstehen zu 90% aus Materialresten (post-consumer waste) oder –überschüssen (pre-consumer waste), einige wenige Zutaten wie Futter oder Reißverschlüsse kaufen wir dazu. Für uns ist die Arbeit mit post- und pre-consumer waste eine tolle Art und Weise, vermeintliche Reste als Ressource wiederzubeleben. Und so gar nicht nachhaltig produziertem Denim ein zweites Leben als Reisegepäck oder Interior Produkt zu verpassen. Gefertigt werden alle unsere Designs von unserem eigenen Produktionsteam inmitten Hamburgs. Eine tolle Ansammlung von Menschen, die es aufgrund verschiedener Hemmnisse (Sprache, Qualifizierung, Alter, Gehörlosigkeit) nicht so leicht haben Arbeit zu finden, aber alle super professionell an der Nähmaschine arbeiten können.

Was möchtet Ihr verändern mit eurer Marke?

Wir haben uns ja bewusst dafür entschieden, eine eigene Produktion inmitten Hamburgs aufzubauen, und zwar mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen, die es sonst schwer haben in Arbeit zu kommen, die aber handwerklich sehr geschickt sind. Diese Menschen stehen für die soziale Seite unseres Designlabels, denn sie fertigen alle Produkte in unserer Werkstatt. Wir machen also nicht Design um des Designs willens, sondern weil wir etwas verändern wollen in dieser Gesellschaft. Social Design!

Was treibt euch an weiterzumachen?

Wir träumen von einem Designlabel, das Ästhetik und Ethik zusammenbringt. Wo unsere Freude an schönen Dingen auf eine Fairness trifft, die Design nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut anfühlen lässt.

Erzähle eine Anekdote, eine Kundengeschichte oder eine Situation die euch glücklich gemacht hat und wo ihr wusstest – genau das ist der Grund warum wir das hier machen.

In unserem Job merken wir jeden Tag aufs Neue, wie sehr es unser Team prägt endlich Arbeit zu haben. Und wie sehr die einzelnen Menschen daran wachsen. Denn Arbeit ist mehr als nur eine Beschäftigung. Es lässt viele Menschen gesellschaftlich außen vor, die keine haben. Dass durch eine wertschätzende Arbeit auch eine Wertschätzung der eigenen Person stattfindet, merken wir u.a. darin, dass sich unsere Frauen zB wieder mehr um sich selbst kümmern. Unsere indische Näherin hatte sich einen Tag besonders hübsch gemacht zur Arbeit und ich machte ihr ein Kompliment zu ihren Ohrringen. Daraufhin dauerte es keine 2 Sekunden, bis sie zu mir hinkam und mir mit einem verstohlenen Blick ihre Ohrringe in die Hand drückte. Sie wollte sie mir schenken, weil sie so glücklich ist, bei uns zu arbeiten. Ich konnte – und wollte – das Geschenk natürlich nicht annehmen. Schließlich sah sie doch so hübsch damit aus. Es dauerte aber eine ganze Weile, bis sie sich auch damit zufrieden gab und die Ohrringe zurücknahm. Sie wollte mir damit ihre Wertschätzung für ihre Chance bei uns ausdrücken. Das ist mir wahnsinnig nah gegangen.

Wie geht es weiter bzw. was sind eure nächsten tollen Pläne?

Im Frühling 2018 werden wir einige neue Interior Produkte launchen, Kissen und Plaids aus wunderschönem Denim Design gehören dazu. Das wird toll!

 

Author

Ich kann nicht anders: Ich bin ein Liebhaber der schönen Dinge! Und das reicht von einem guten Kaffee, über das herzliche Lachen eines Menschen, tollem Essen, gelungenen Events bis hin zu großartigen Shoppingprodukten. Dabei ist mir in den letzten Jahren immer wichtiger geworden genau hinzusehen woher die Dinge kommen, die ich kaufe. Ich wollte, dass nicht nur ich durch den Konsum profitiere. Ich wollte, dass alle etwas davon haben: Der Hersteller, der Verkäufer, die Umwelt und ich. Angefangen hat das bei mir mit dem Einkauf von Lebensmitteln. 2015 habe ich Whole Story gegründet. Hier berate ich u.a. als Ernährungstrainerin Menschen, die an ihrer Ernährung arbeiten möchten. Klar ist, dass es meist nicht nur damit getan ist besser zu essen. Trotzdem ist es ein guter und wichtiger erster Schritt. Oft kann das aber kompliziert werden und einen im Alltag überfordern. Ich möchte daher dein Guide durch den Dschungel sein. Sich und anderen Gutes tun soll leicht sein! Whole Story ist meine real food & real life propaganda für dich! Locally Inspired komplettiert mein Universum.